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17.12.2014

Wie funktioniert das grüne Internet?

"Wäre das Internet ein Land, so hätte es weltweit den sechstgrößten Stromverbrauch." Liest man diesen Satz, ist man zunächst beeindruckt. Denkt man allerdings nur ein paar Sekunden darüber nach, ist diese These wenig überraschend, denn weltweit surfen tagtäglich 2,5 Milliarden Menschen auf der digitalen Welle. In Deutschland stieg allein im vergangenen Jahr die Zahl der Nutzer mobiler Internet-Dienste um 43 Prozent auf 29,7 Millionen.

Durch den Boom von Tablets und Smartphones, WhatsApp und Candy Crush, Fun-Apps und Blogs ist es vor allem die Zahl der Jungen zwischen 16- und 24-Jährigen, die im letzten Jahr einen deutlichen Sprung gemacht hat - 81 Prozent. Die 25 bis 44-Jährigen nutzen das Web immerhin 62 Prozent mehr als im Vorjahr, gerade beruflich wird das immer wichtiger, und sogar ab 45 Jahren klickt sich jeder Dritte durchs Netz.

Dass dieser enorme Zuwachs, der übrigens nicht nur in Deutschland zu verzeichnen ist, an Klimawandel und Co. maßgeblich beteiligt ist, verdrängen wir gern. Und das obwohl in der heutigen Zeit der Klimaschutz eine immer größere Rolle spielt und neben Ernährungsbewusstsein und Kaufverhalten besonders der Stromverbrauch und auch das Surfverhalten zwei der wichtigsten optimierungsbedürftigen Komponenten in den Köpfen vieler Verbraucher sind. Dabei kann sich kaum jemand vorstellen, welche Unmengen an Strom täglich verbraucht und welche Ressourcen verschwendet werden.

Bei einer Google-Suchanfrage werden z.B. allein acht Wattstunden Strom benötigt, um dem Nutzer eine Ergebnisliste anzuzeigen. Zuvor wandert diese in Rekordzeit durch knapp 32.000 Server, die täglich wiederum 150 Megawattstunden Energie verschlingen. Bei weiteren Web-Giganten wie zum Beispiel Amazon wurde erst, vor kürzlicher Ankündigung, künftig mehr in grünen Strom zu investieren, gar nicht ersichtlich, aus welchen Energiequellen sich der Strom für die Vielzahl der unternehmerischen Rechenzentren eigentlich zusammensetzt. Dabei ist Amazon schließlich neben seiner Funktion als weltgrößter Online-Store auch Web-Service für Netflix, Spotify und Co. und damit kein unbedeutender Marktteilnehmer.

Stromverbrauch durch Video-Material

Der kollektive Stromverbrauch macht auch dann nicht Halt, wenn man seinen Blick auf die eigene Content-Erstellung und dessen Verbreitung auf z.B. Videoplattformen lenkt. Allein auf YouTube werden pro Minute rund 100 Stunden Videomaterial veröffentlicht. Viele internationale bzw. globale Unternehmen produzieren Filme in zahlreichen Sprachversionen - Trailer, Imagefilme, Tutorials - laden diese regelmäßig hoch und ignorieren dabei den Fakt, Unmengen an Speicherkapazität zu gebrauchen und riesige Trafficmengen zu verursachen. In Zahlen bedeutet das: Für ein vierminütiges Video ergibt sich pro Sprachversion bei einer durchschnittlichen Bitrate von 20 Mbit/s eine Größe von 600MB für den Upload.

Ergänzt man die Auflösungen, die YouTube zusätzlich bereitstellt, kommt man auf einen Gesamtspeicherbedarf von zirka vier GB. Ohne Backups und die weltweite Streuung des Videos auf verschiedenen Servern bedeutet das für 30 Videos schon einen Speicherbedarf von über 120GB. Mit alugha haben wir ein Tool für Videoproduzenten entwickelt, mit dem sich mehrere Sprachdateien und eine Videodatei zusammenführen lassen. Der Traffic, der beim Upload eines Videos entsteht, würde um ca. 90 Prozent verringert, der Speicherbedarf reduziert sich um 115GB. Fazit: Würden nur 20 Prozent aller YouTube Videos über alugha publiziert, ließen sich täglich bis zu 9.000 Festplatten sparen.

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Einsatz von erneuerbaren Energien nimmt zu

Beispiele, bei denen unnötig sorglos mit den digitalen Ressourcen umgegangen wird, gibt es Unzählige, umso wichtiger wird es, neben dem Bewusstsein für diese Missstände, der Gesellschaft Werkzeuge an die Hand zu geben, die ein effizienteres, überlegteres und vor allem ressourcenschonenderes Verhalten vereinfachen. Nach Untersuchungen und Aufforderungen von Greenpeace, gehen seit diesem Frühjahr von Anbieterseite aus bereits Apple, Facebook und Google mit gutem Beispiel voran und setzen auf erneuerbare Energien für ihre Rechenzentren. Erst vergangene Woche verkündete Amazon, jetzt auf regenerative Energien zu setzen.

Der erste Schritt ist also gemacht: Grüner Strom bildet mehr und mehr die Basis für das Online-Geschehen. Aber wo können wir anknüpfen, um auch schon Redundanz in der Produktion zu vermeiden? Das Internet bietet uns eine riesige digitale Spielwiese und verhindert so schon heute die aufwendige Produktion mit hohem Materialeinsatz. Download-Dateien statt Bücherwände, Geschäftsreisen können wir heute durch Videokonferenzen ersetzen. Wäre das bei nur 20 Prozent der Fall, würden nach Schätzung des Verbands europäischer Telekommunikationsunternehmen und des WWF unvorstellbare 22 Millionen Tonnen Kohlenstoff-Emissionen im Jahr allein in der EU eingespart werden. Die Auslagerung von IT-Infrastrukturen, sprich Speicherplatz, Rechenkapazität oder Software, bringt ein weiteres bedeutendes Potential hervor.

Weitere Dienste müssen nachziehen

Für die Branche ist es ein großer Vorteil, dass unter anderem Apple als fortschrittliches Innovationsunternehmen den Anfang gemacht hat. Nun müssen weitere Internet-Dienste nachziehen. Eine unendliche Reihe an Startups, die mit effizienten Lösungen den Markt erobern wollen, existiert bereits. Die Großen müssen von den Kleinen lernen und dürfen die kleinen Bausteine wie Innovationen und Genauigkeit, die ihr Unternehmen in die Königsklasse heben, nicht irgendwann aus den Augen verlieren. Durch die globale Vernetzung rückt auch die dezentrale Energieversorgung in den Fokus. Das Netz wird intelligenter, um uns effizientes Handeln im Internet zu erleichtern und Steuerungs- sowie Einsparmöglichkeiten zu schaffen.

Grünes Internet ist unser Ziel, die nachhaltige Entwicklung der Weg dahin. Ressourcenverbrauch muss reduziert werden und die Effizienz gesteigert. Neben den IT-Mächten Apple und Amazon ist aber auch jeder noch so kleine Mitspieler dazu angehalten, die Augen offen zu halten und nachhaltige Systeme zu nutzen und zu optimieren. Aus Konsumenten werden "Prosumenten", Mit-Entscheider. Ohne Kundenfeedback würden auch wir unsere nachhaltige Innovation nicht so schnell vorantreiben können. Wir haben die Mission, das Internet ein Stückchen grüner zu machen. Nicht nur Unternehmen, Politiker, Medien und Institutionen, jeder kann seinen Beitrag leisten. In Prinzip gelten alltägliche Regeln: Mitdenken, vorausschauend handeln, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen.

 
Quelle: UD

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